IX Polsko-Niemiecka Konferencja IX Deutsch – Polnischen Konferenz und Studienreise
Architektura ryglowa - wspólne dziedzictwo / Fachwerkarchitektur – gemeinsames Erbe ANTIKON 2008
Architektura domów wiejskich / Bauern Architektur
 

22-24 wrze¶nia 2008, Hagenow - Niemcy

 

Miejsca / Exkursionsorte
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Hagenow
Als Dorf erstmals zwischen 1190 und 1195 genannt, Erwähnung als „oppidum“ 1370, bei Stadtbränden in den Jahren 1538, 1727, 1748 und 1766 die ältere Bebauung vernichtet. Nach dem Anschluss an die Hamburg-Berliner Bahn 1846 bescheidener Aufschwung der Stadt, von 1952-1994 Kreisstadt.
Im Stadtgrundriss dominieren zwei etwa parallel verlaufende Hauptstraßen – Lange Straße und Hagenstraße. Im Hausbestand bis in die jüngste Vergangenheit die Geschichte der einstigen Ackerbürgerstadt gut ablesbar, die aussagefähigen Bereiche an der Teich- ,Sand- und Bergstraße schon in den 1970er Jahren durch Abriss und Neubebauung verloren, Beispiele der historischen Bebauung, die überwiegend aus traufseitig oder giebelständigen Fachwerkhäusern des  18./19. Jahrhunderts besteht, darunter auch die einst typischen, 1 ½ geschossigen Traufenhäuser, im Zentrum (Lange Straße, Hagenstraße) noch vorhanden. Erwähnenswerte Einzelbeispiele: Fr.-Heincke-Straße 7, um 1770 in den Formen der Ludwigsluster Backsteinarchitektur des späten 18. Jh., Lange Straße 79 (Heimatmuseum), 2gesch. Fachwerkbau v. 1828,  Zahlreiche historistische Bauten, u. a. Neo-Renaissance-Haus Lange Str. 46, Villen an der Bahnhofsstraße.
Von den öffentlichen Bauten erwähnenswert. Stadtkirche, unter Verwendung mittelalterlicher Teile 1875/79 nach Entwurf von G. Hamann/G. Daniel neugotischer Backsteinbau, von 1975-77 gegen denkmalpflegerische Bedenken für Wohn- und Verwaltungszwecke durchgebaut (eines der ersten Beispiele in der damaligen DDR). Ehem. Synagoge Hagenstraße 48, 2gesch. Fachwerkbau von 1828, in der Progromnacht 1938 die innere Einrichtung zerstört, jüngst für Mehrfachnutzung restauriert, im Vorderhaus (jüd. Schulhaus) Mikwe erhalten. Ehem. Landratsamt Hagenstraße 23, in expressionistischen Formen gehaltener Klinkerbau von 1928/29 nach Entwurf von Erich Bentrup, Schwerin. Rathaus Lange Straße 28-32, 1935/36 von Hans Stoffers, Schwerin. Im Ortsteil Hagenow-Land Bahnhofsgebäude, klassizistischer Putzbau in den Formen der Schinkelschule von 1845/46 nach Entwurf v. Friedrich Neuhaus, Berlin.

Griese Gegend (plattdeutsch für „Graue Gegend), seit etwa 1900 Bezeichnung des etwa 400 qkm großen südwestlichen Bereiches des heutigen Kreises Ludwigslust, wohl wegen der kargen Böden und der von hier in der 2. Hälfte des 19. Jh. zur Arbeit auf die großen Güter im Landesinneren abwandernden, meist grau gekleideten Tagelöhner. Geographisch einzugrenzen im Norden durch die parallel zur Bahnlinie Hamburg-Berlin fließende Sude mit dem anschließenden Strohkirchenbach, im Nordosten durch den parallel zur Bahnlinie Ludwigslust-Hagenow-Land verlaufenden Neuen Kanal, im Süden durch den Eldekanal von Grabow bis Dömitz und im Westen durch die am Rande der Elbeniederung fließende Rögnitz zwischen Woosmer bis zur Höhe von Lübtheen. Die Städte Hagenow, Ludwigslust, Grabow und Lübtheen liegen am äußersten Rand der Griesen Gegend.
Die Landschaft ist geprägt durch die nach dem Abschmelzen der Gletscher der letzten Eiszeit entstandenen Sanderflächen mit ihren relativ kargen Böden. Der im Mittelalter vorhandene Waldbestand wurde zur Gewinnung von Acker- und Weideflächen nach der Besiedlung ab dem frühen 13. Jahrhundert gerodet, dadurch letztlich die Ausbreitung von Heideflächen und der Bodenabtrag begünstigt. Seit dem 18./19. Jahrhundert aufgeforstet, heute typisch große Kiefernwälder, Äcker und Weiden.
Die um 1200 begonnene Besiedlung mit Einwanderern aus Westfalen und Holland drängte die hier wohnenden Slawen (Obotriten) zurück, in der Vielzahl der auf slawische Wurzeln zurückgehenden Ortsnamen aber noch ablesbar, letzte Reste slawisch sprechender Bewohner angeblich erst im Spätmittelalter assimiliert.
Die äußeren Bedingungen ungünstig für den im übrigen Mecklenburg sonst seit dem Mittelalter, vermehrt im 17./18. entstandenen Großgrundbesitz, deshalb nur wenige Gutsbetriebe und stattdessen viele Bauerndörfer. Die Region im 30jährigen Krieg (1618/48) stark verwüstet. Seit der Mitte 18. Jahrhundert die Dörfer vermehrt durch die Ansiedlung von kleinbäuerlichen Betrieben (Büdnereien), seit Mitte 19. Jahrhundert durch den Bau zahlreicher Häuslereien (Nebenerwerbsbauern auf Pachtland) geprägt, die Dörfer dadurch relativ groß.
Neben der Land- ,Forstwirtschaft und Kleinbetrieben der Bauwirtschaft nur wenig Industrie und Gewerbe, bei Lübtheen von 1853-1896 ein auf den hier 1826 entdeckten Gipsvorkommen basierendes Gipswerk, im benachbarten Jessenitz bis 1916 Gewinnung von Kalisalz, in Malliß von 1818 bis 1960 Braunkohle-Untertageabbau. Redefin ist seit 1812 Hauptstandort der mecklenburgischen Pferdezucht. - Der Landstrich bis heute stark agrarisch/forstwirtschaftlich geprägt.

Ortsbeschreibungen

Alt Jabel

Wohl Anfang des 13. Jh. als Dorf angelegt, im Ratzeburger Zehntregister von 1230 genannt. Als zentraler Ort der sog. „Jabelheide“ Mittelpunkt eines anfänglich sehr ausgedehnten Kirchspiels (bis nach Lübtheen und Redefin). Die bestehende Infrastruktur auf die historische Bedeutung hinweisend. Der Ort seit der Mitte 19.Jh. durch Ansiedlung von Büdnern und Häuslern in den Randbereichen stark erweitert, von 1889 bis 1947 Eisenbahnverbindung nach Malliß (Dömitz, Ludwigslust).
Ältester Bau die 1909 aufgegebene und nur als Ruine erhaltene hochmittelalterliche Feldsteinkirche; 1907/08 durch einen neugotischen Backsteinbau nach Entwurf des Schweriner Baurates Johann Friedrich Pries ersetzt, daneben das stimmungsvolle Pfarrgehöft mit Wohnhaus von 1872/76 und Scheunen, die nördliche mit Mehrzwecknutzung, die südliche heute Museum.
Im Ort mehrere niederdeutsche Hallenhäuser, als Bautyp vom 18.-A. 20. Jh. sowohl für Bauernstellen wie Büdner und Häusler verwendet, als Bauernhaus z. B. im 4. Viertel 19. Jh. das massive Gebäude Straße des Aufbaues 4 errichtet, als Büdnerei 1751 der Fachwerkbau Straße des Aufbaues 1, als Häuslerei die Fachwerkhäuser Friedensstraße 11 1843 oder das massive Haus Straße des Aufbaues 18 von 1878. Der Typ der traufseitig stehenden Häuslerei mit dem Fachwerkhaus Straße des Aufbaues 16 vertreten.
Ein „Sozialgebäude“ das ehem. Witwenhaus Friedensstraße 2, ein zweihieschiger eingeschossiger Fachwerkbau, um 1800. 
Vom ausgehenden 19. Jh. die Schule, ein traufständiger Fachwerkbau mit historischer Innenraumaufteilung, das um 1890 errichtete Bahnhofsgebäude südlich des Ortes und das zweigeschossige Mehrfamilienhaus mit gründerzeitlicher Fassade, Platz der Freiheit 2.

[Göhlen – Erstmalig um 1450 erwähnt; urspr. ein Rundlingsdorf, durch zahlreiche Büdner- und Häuslereien ab Mitte 19. Jh. stark erweitert. Die ältere Bebauung weitgehend bereits in der 1. H. 20. Jh. durch Neubauten ersetzt; die Bauern-Häuser Hauptstraße 8 und 21 als Nur-Wohnhäuser von um 1920 bzw. 1900 in Anlehnung an den regionalen Backsteinbau errichtet; eine ähnliche Entwicklung auch bei den Büdnereien, ein charakteristisches Beispiel das eingeschossige, durch einen Drempel und eine übergiebelte Mittelachse aufgewertete Haus Straße der Jugend 1 von 1912.]- Als Exkursionsziel noch unsicher.

Hohenwoos
Relativ kleines Dorf, im Kern ein Rundling, die Bebauung heute aus Gebäuden des 18.- 1. H.20. Jh. bestehend. Eine jüngere Erweiterung südöstlich des alten Dorfes.
Zum alten Bestand gehören drei niederdeutsche Hallenhäuser aus der 1. H. 18. Jh., das älteste Dorfplatz 4/5 , nach seinem Hausgefüge ein Bau aus der 1. H. 18. Jh. mit Schaugiebel (Giebeltrapez) und z. T. mit Raseneisenstein (ndt. „Klump“) ausgefüllten Gefachen. Der Bauer war zeitweise auch Schulze und betrieb in diesem Haus zeitweise auch einen Gasthof; das Hallenhaus Dorfplatz 3 von 1770, z. Zt. In Rekonstruktion. Vom niederdeutschen Hallenhaus Dorfplatz Nr. 7 nur die Eingangsfront mit dem Schaugiebel erhalten. Daneben die „Alte Schule“, ein Neubau der 1920er Jahre in landschaftstypischen Formen mit Fachwerkgiebel, in diese Zeit auch die um 1920 bzw. 1922 entstandenen, städtische Formen aufgreifende Häuser Dorfplatz 4 und 5.
Östlich des Ortes die ehem. Ziegelei (Töpferhof Döscher), erhalten das Wohnhaus aus der 2. H.19. Jh., an der Längsseite zum Hof ein 1938 in historischen Formen gehaltener aufgeständerter Giebelanbau mit Ziegelmustern.

Laupin
Ersterwähnung 1498, angelegt als Rundling, ab 1849 durch die Ansiedlung von Häuslern nach SW erweitert.
Im Ort noch zwei ältere niederdeutsche Hallenhäuser. Ludwigsluster Str. 12 datiert 1651, damit vermutlich das älteste noch in situ stehende Hallenhaus der Griesen Gegend, um 1900 durch den Neubau eines Wohnhauses zum Stallgebäude geworden. Der prächtige Schaugiebel abweichend von den sonst üblichen Bauweise an der zur Dorfmitte weisenden Rückfront. Von 1687 das ebenfalls mit einem Schaugiebel ausgestattete Hallenhaus Ludwigsluster Straße 21. Wohl erst M. 19. Jh. das Hallenhaus Ludwigsluster Straße 5. Am Lerchenweg 1 die älteste Häuslerei, Fachwerkbau mit Wohn- und Stallteil von 1849 erhalten.

Leussow
Bereits um 1230 genanntes, wohl auf eine Gründung des ausgehenden 12. Jh. zurückgehendes Dorf. Der Kern wohl ein Rundling südlich der Kirche. Die Kirche nach Abbruch des mittelalterlichen Vorgängerbaues nach Plänen von Theodor Krüger unter Mitarbeit Georg Daniels 1872/73 als neugotischer Backsteinbau errichtet.
Der Ort im 30jährigen Krieg schwer zerstört, 1665 auf 4 wüsten Stellen Anlage eines Meierhofes, Ende des 17. Jh. wieder 13 Bauernstellen, ab 1765 Ansiedlung von Büdnern( 1816 18 B.-Stellen); heutige Bebauung des Ortes überwiegend 19. und 1. H. 20. Jh., dominierend die an mehreren Ausfallstraßen und in der Feld- und Friedensstraße errichteten zahlreichen Büdnereien und Häuslereien, vom Typ er als giebelständige Massivbauten (Büdnereien, z. B. Feldstraße 3, Friedensstraße 17) oder Traufenhäuser in Fachwerk bzw. Backstein mit Wohn- und Stallteil (Häuslereien, z. B. Bergstraße 15, Loosener Straße 2) errichtet, auch städtisch beeinflusste Bauten (z. B. Haus Friedensstraße 10, um 1900) vorkommend.

Moraas
1227 erstmals als im Besitz der Grafen von Schwerin stehend erwähnt, von diesen zur Johanniterkomturei Kraak gelegt, nach der Säkularisierung 1552 landesherrlicher Besitz (Domanium). Die ursprünglich 12 Bauernstellen 1753 auf 16 angewachsen, 1753 Schaffung von 14 Büdner-und ab 1847 von 35 Häuslerstellen.
Heute sehr großes, durch den Kraaker Mühlenbach in zwei Bereiche geteiltes Dorf, der Kern ein nördlich der Bachbrücke erkennbarer Rundling mit noch drei, z. T. stärker veränderten Hallenhäusern aus der Zeit nach 1800, südlich der Brücke (Kuhstorfer Straße 2) ein aus Hallenhaus, jüngerem Wohnhaus und Wagenschauer bestehende Hofanlage. Das jetzige Hotel/Gasthof „Heidehof“ (Hauptstraße 15) eine in Hallenhausform errichtete ehem. Büdnerei aus der 1. H. 19. Jh., der an der Westseite angefügte Stallanbau eine Moraaser Besonderheit.

Tewswoos
Als Dorf wohl spätmittelalterlichen Ursprungs, ältester Teil der ehem. Rundling (heute „Bauernring“), von dem noch bis um 1970 fast vollständig vorhandenen niederdeutschen Bauernhäusern heute nur wenige stark veränderte Gebäude erhalten, z. T. durch Neubauten (Einfamilienhäuser) ersetzt. Zwei niederdeutsche Hallenhäuser von 1729 nach dem Brand des Dorfes bzw. von 1800 an der Dömitzer Straße Nr. 11  und Nr. 13.erhalten. Um 1900 beträchtliche Erweiterung des Ortes durch neue Büdner- und Häuslereien in traditioneller Gestalt – an der Dömitzer Straße die Häuslereien als kleine eingeschossige Fachwerk- oder Backsteinbauten mit Wohn- und Stallteil ausgebildet, in der Büdnerstraße in Gestalt von massiv errichteten, zur Straße giebelständigen stehenden Hallenhäusern mit Dielentor und Krüppelwalm. Beachtenswert die Giebelzierden im Bauernring und am Haus Büdnerstraße Nr. 10 in Gestalt des „Hahnenkopfes“, der bis in die 1970er Jahre in der Griesen Gegend typisch war.



 

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